Zur festlichen Dekorierung der Schaufenster des Erweiterungsbaus am Neumarkt während der Adventszeit 1961 ließ die Krefelder Filiale der Kaufhof AG von Mitarbeitern ihrer Abteilung für Schaufensterdekoration 14 dreidimensionale Großbilder mit Straßenszenen aus Alt-Krefeld anfertigen.

Diese sogenannten Dioramen, die nun im Haus der Seidenkultur zu sehen sind, wurden mit Liebe zum Detail aus Pappe, Sperrholz, Stoff und Farbe nach alten Vorbildern gearbeitet. Aufgrund der perspektivischen Darstellungsweise wird der Blick des Betrachters magisch in das jeweilige Geschehen gezogen.

Alle Figuren sind liebevoll gestaltet, die Bauwerke exakt nach Vorlagen aus dem Stadtarchiv nachgebildet. „Die Detailtreue ist frappierend“, stellte Dr. Olaf Richter fest, der als Leiter des Stadtarchivs zugleich die Stadt Krefeld bei der Vernissage vertrat. Und: „Die Ausstellung macht Lust sich mit der Geschichte unserer Stadt zu beschäftigen!“

Durch einen glücklichen Umstand sind diese einzigartigen Exponate nicht in Vergessenheit geraten; das Haus der Seidenkultur (HdS) hat sie quasi vor dem Sperrmüll gerettet und aus der „Versenkung“ geholt, um sie jetzt in der Sonderausstellung „Krefeld in 3 D wie es früher einmal war“ zu zeigen.

Kurator Achim Wahl stand bei der Vorbereitung der Ausstellung sprichwörtlich vor großen Herausforderungen. Immerhin wiegt jedes Diorama mit den Ausmaßen 1,53 Meter breit und 1,58 Meter hoch rund 50 Kilo. Für den Transport aus dem Keller der Hülser Robert-Jungk-Gesamtschule – wo die Exponate zuletzt gelagert waren – hat Wahl eigens einen Laufschlitten entwickelt, den er „Pharao“ nennt.

NEUER BESITZER GESUCHT

Die Exponate sind inzwischen im wahrsten Sinne des Wortes in die Jahre gekommen und werden eine erneute Lagerung nur schwerlich überstehen. Wahl: „Sie müssen fachgerecht restauriert werden, denn nicht nur die vielen kleinen Puppenköpfe haben in den letzten 58 Jahren schwer gelitten.“ Daher sucht das HdS jetzt jemanden, der die komplette Sammlung übernimmt und instandsetzt. (Mehr dazu in Kürze).

Für den musikalischen Part der Vernissage zeichnete Toma Neill verantwortlich; eine bekannte Bandonion-Spielerin, die das Instrument „Made in Krefeld“ perfekt spielte. Wer das Instrument bislang als „Quetsche vom Niederrhein“ reduzierte, der wurde eines Besseren belehrt. Neill, u.a. Gastmusikerin der Neuen Philharmonie Westfalen, entlockte dem Instrument hochkonzertante Töne. Nicht nur Museumschef Hans-Georg Hauser war begeistert, der das Bandonion „so noch nie erlebt und gehört hat.“
Die Ausstellung ist bis zum 26. April 2020 während der Öffnungszeiten des Museums von mittwochs bis freitags in der Zeit von 15 bis 18 Uhr und sonntags von 13 bis 17 Uhr zusehen. Wunschtermine für Gruppen können per Mail an Dit e-mailadres wordt beveiligd tegen spambots. JavaScript dient ingeschakeld te zijn om het te bekijken. gerichtet werden.

 

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Krefeld in 3D: Da darf natürlich auch das Kaiser Wilhelm-Museum nicht fehlen.
HdS-Fotos: Brenner

 

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Kurator Achim Wahl (rechts) zusammen mit Stadtarchivleiter Dr. Olaf Richter, der jene Vorlage zeigt, nach der dieses 3D-Bild nachgebaut wurde. Es zeigt den Schwanenmarkt mit Blick auf die Alte Kirche.