Neue Ausstellung zeigt Trachten aus Südwest-China

Die neue (Sonder-)Ausstellung im Haus der Seidenkultur (HdS) widmet sich den traditionellen Trachten aus Südwest-China. Gezeigt werden einzigartige Exponate, die einmal mehr Ien Rappoldt auf ihren Forschungsreisen durch das „Land der Mitte“ aufgespürt hat.

Ien Rappoldt hat auf ihren Reisen durch das „Land der Mitte“ diese farbenprächtigen Exponate aufgespürt.          HdS-Foto (2): Brenner

Die von Miao-Frauen hergestellte, bunt bestickte und reich mit Applikationen verzierte Kleidung, fasziniert in erster Linie durch ihre visuelle Anziehungskraft. Die HdS- Kuratorinnen, Dr. Ulrike Denter und Ilka Neumann, sprechen von einem „Rausch der Farben“ und einer „Explosion von Mustern“. Es geht um das kontrastreiche Zusammenspiel von Materialien und Techniken, Farben und Formen, die von der (Textil-)Kultur der Miao-Frauen kommuniziert wird.

In der Ausstellung wird eine Vielzahl von Exponaten aus der Kultur der Miao gezeigt, die überwiegend in der Provinz Guizhou, im Süden Chinas, siedeln. Abgeschieden in ihren Bergdörfern, leben die Miao weitgehend autark und sind stark in ihren Traditionen verwurzelt.

Das Haus der Seidenkultur im „Rausch der Farben“ der chinesischen Miao-Kultur.

So wird die Bekleidung überwiegend von den Miao-Frauen selbst gefertigt und auf kunstvolle Weise mit symbolträchtigen Mustern versehen. Diese sind je nach Siedlungsgebiet unterschiedlich und sprechen jeweils ihre eigene Sprache. Auf ihren Reisen durch die Provinz Guizhou hat Ien Rappoldt eine Fülle der prachtvollen Textilien erworben und von den Miao-Frauen die traditionellen Techniken, mit denen die ausgestellten Trachten gestaltet wurden, erlernt.

Im Jahre 2015 fand bereits eine erste Ausstellung zur Kultur der Miao ein breites Echo im Haus der Seidenkultur. „Jetzt findet sozusagen eine Fortsetzung der eindrucksvollen Show statt“, sagt Denter, die auf die neue Kollektion mit dem HdS-Team im „Museum de Kantfabriek“, im niederländischen Horst, aufmerksam wurde. Schnell stand fest: „Diese tollen Exponate müssen wir auch in Krefeld zeigen!“ Dank der Unterstützung von Tineke Geurts, die für Wechselausstellungen in Horst verantwortlich ist, erreicht der „Rausch der Farben“ jetzt das Krefelder Museum an der Luisenstraße 15, nur wenige Gehminuten vom Hauptbahnhof entfernt.

Zur Vernissage erwartet das HdS auch Gäste der Deutsch-Chinesischen Gemeinschaft (GDCF). Für das musikalische Rahmenprogramm konnte das Cello-Duo, Heimo Wang und Pauline Krull von der Musikschule Krefeld, gewonnen werden.

Die Ausstellung kann vom 08. Januar 2023 bis zum 23.07.2023 jeweils zu den Öffnungszeiten des Museums – Mi bis Fr. von 15 bis 18 Uhr, So von 13 bis 17 Uhr; und nach Vereinbarung – besucht werden.

Jung und Alt sind tragen gleichermaßen mit Stolz ihre Trachten im Südwesten Chinas.         Foto: HdS

Handwerkskammer ehrte Handwebmeister für sein Lebenswerk

„Ich habe mein Hobby zum Beruf machen dürfen“, sagt Handwebmeister Günter Oehms, der – wie es Museumschef Hansgeorg Hauser formulierte – „zu den „Aushängeschildern vom Haus der Seidenkultur (HdS) gehört.“ Jetzt wurde der 87jährige für sein Lebenswerk mit dem Diamantenen Meisterbrief der Handwerkskammer „für ein 60 Jahre aktives, erfolgreiches Berufsleben als Meister im selten gewordenen Weberhandwerk“ ausgezeichnet. Die Verleihung des raren Dokuments nahm mit Dr. Axel Fuhrmann der Hauptgeschäftsführer der Düsseldorfer Kammer höchst selbst in der ehemaligen Paramentenweberei Hubert Gotzes – an der Luisenstraße 15 in Krefeld – vor.

„Günter Oehms ist ein Textilfachmann, der Seinesgleichen sucht“, meinte Fuhrmann in seiner Laudatio. Und: „Er ist ein Technikerexperte rund um die Maschinenbaukunst des Handwebstuhls von europäischem Rang.“ Vor diesem Hintergrund konnte unser Günter maßgeblich den Bekanntheitsgrad unseres Museums weit über die Grenzen der Samt- und Seidenstadt hinaus steigern“, griff Hauser die Worte seines Vorredners auf.

Günter Oehms – am 22. Mai 1935 in Trier geboren – trat als Ältester von drei Kindern zunächst 1949 in Manderscheid (Eifel) eine Lehre als Kaufmann an, die er drei Jahre später mit Bravour bestand.

An „seinem“ Webstuhl im Haus der Seidenkultur bekam Günter Oehms (rechts) den Diamantenen Meisterbrief vom Hauptgeschäftsführer der Düsseldorfer Handwerkskammer, Dr. Axel Fuhrmann, verliehen.    HdS-Foto: Dieter Brenner

 

Oehms: „Der Bürostuhl war nichts für mich!“

Doch schon recht schnell spürte der junge Oehms, dass er auf einem Bürostuhl nicht alt werden wolle. Vielmehr faszinierte ihn das Handwerk und hier ganz besonders die Zunft der Weber. Schon als Kind war er auf einem nahen Bauernhof mit einem Webstuhl in Berührung gekommen. 1953 setzte er dann seinen Berufswunsch in die Tat um und trat in Alf an der Mosel auf der Burg Arras eine Handweberlehre an.

Mit dem Gesellenbrief in der Hand kam er dann 1956 in die Samt- und Seidenstadt, wo er zunächst in der Krawattenfirma und Handweberei „Sugora“ eine Anstellung als junger Geselle fand.

Mit Talent und Fleiß arbeitete er sich im Unternehmen bereits als Handwerksmeister empor, noch ehe er diesen Titel 1962 offiziell verliehen bekam. Zuvor hatte er in Krefeld die Meisterschule besucht und vor der Handwerkskammer Düsseldorf die Meister-Prüfung abgelegt.

Weitere Stationen seiner beruflichen Laufbahn waren unter anderem die Firmen „Kleinod“ und „Meister-Krawatten“, wo er als Zuschneider und Teamleiter tätig war.

Als Handwerksmeister war er auch an der Werkkunstschule in Krefeld sehr gefragt, wo er parallel zu seiner beruflichen Tätigkeit in den Jahren 1965 bis 1971 als Dozent im Handweben unterrichtete.

„1994 bin ich dann in Rente gegangen worden,“ erzählt Günter Oehms, dass auch er vom Einbruch der Textilindustrie nicht verschont geblieben war. Doch auch künftig sollte der Webstuhl – Einer stand und steht nach wie vor bei ihm zu Haus - einen maßgeblichen Teil seines Lebens ausmachen.

Nicht ganz unschuldig an dieser Entwicklung war Dipl. Textingenieur Walter Tillmann, den Oehms zum 100jährigen Girmesjubiläum in der Oedter Albert Mooren Halle kennenlernte. Die Devise nach einem ersten Treffen wurde recht schnell herausgegeben: „Wir müssen unbedingt mal was zusammen machen!“

Aus diesem Vorsatz resultierte 1983 die Gründung des kleinen Textilmuseums „Die Scheune“ in Hinsbeck. Dort kam es schließlich zu einem (Erst-)Kontakt mit Mitgliedern vom Krefelder „Haus der Seidenkultur“, wo Günter Oehms seit der Jahrtausendwende die alten Jacquardwebstühle wieder „klappern“ lässt.

Ach ja: Zwischendurch blieb auch ein wenig Zeit für (rein) Privates: So heiratete Günter Oehms 1960 Susanne Leßmann; aus dieser Ehe gingen drei Kinder hervor. Dass das Familienoberhaupt auch immer mit dem Webstuhl „verheiratet“ war, dafür brachte die Familie großes Verständnis auf.

Mit Blick auf das bewegte (Berufs-)Leben des Ausgezeichneten fasste Dr. Fuhrmann in der eindrucksvollen Feierstunde zusammen: „Krefeld und das gesamte Handwerk am Niederrhein und darüber hinaus haben Günter Oehms und seinem Wirken unendlich viel zu verdanken!“

 

Biografie eines Mannes der nicht „stronzen“ will

Vielerorts war und ist Rat und Tat des Handwebmeisters sehr gefragt. Nur ungern - weil er „nicht stronzen“ (angeben) will – listet Günter Oehms an dieser Stelle einige Stationen seiner ehrenamtlichen Tätigkeiten auf und nennt Einrichtungen und Orte an denen er altes Weberhandwerk in Szene setzte.

  • Flachsmuseum Wegberg in Beeck
  • Weberhaus St. Hubert (hier richtete er Webstühle ein)
  • Museum Horst (NL)
  • Heimatmuseum Hansenhof in Velden (NL)
  • Schlesierhaus Heisterbacher Rott in Bad Godesberg
  • Flachsmarkt in Krefeld-Linn
  • Gut Heimendahl in Kempen (u.a. Teilnahme am „Tag des Hofes“)
  • Kloster Himmerrod (Teilnahme am „Klostermarkt“, einem der ältesten Handwerkermärkte in der Eifel)
  • Heimatverein Viersen
  • Manderscheider Kirmes
  • Alexius-Krankenhaus Neuss (wo er fast 1 Jahr eine Therapiegruppe leitete).
  • Teilnahme an unterschiedlichen Dorffesten in der Eifel, wie die Obergöttlinger 1.200 Jahrfeier oder das Fest in Pantenburg.
Handwebmeister Günter Oehms hat im wahrsten Sinne des Wortes die Fäden fest in seiner Hand.    HdS-Foto: Brenner

Textil- und Seidenmuseum luden nach Krefeld ein

„Antiker Seidenglanz neu erschaffen“, das war Ziel und zugleich Titel eines ganz besonderen Webkurses, der jetzt vom Deutschen Textilmuseum und dem Haus der Seidenkultur (HdS) – der vormaligen Paramentenweberei Hubert Gotzes - gemeinsam angeboten wurde. Im ältesten Jacquard-Handwebsaal Europas trafen sich an der Luisenstraße Spezialistinnen aus den Niederlanden, Belgien, Tschechien und dem Bundesgebiet, um in Krefeld mehr über antike Seidenstoffe und deren Webarten zu erfahren.

Eine Woche lang wurden gemeinsam die antiken Gewebe analysiert, Muster entworfen, Webstühle vorbereitet und Beispiele gewebt. Dipl. Ingenieur Dieter Blatt hatte dazu mit seinem HdS-Team von Ehrenamtlern in der ehemaligen Paramentenweberei Hubert Gotzes Rahmenbedingungen für den von Textilarchäologin Barbara Thomas geleiteten Kurs geschaffen.

Der Kurs entstand auf Initiative von Dr. Annette Paetz gen. Schieck, Direktorin des Deutschen Textilmuseums Krefeld. Ohne die faszinierenden antiken Beispiele, die im Archiv des Museums schlummern, wären Projekt und Kurs nicht denkbar gewesen. Bereits 2019 wurden die Grundlagen für den aktuellen Kurs geschaffen, wo die Muster der antiken Stoffe auf moderne Webstühle übersetzt und durch ihre detaillierte Nachwebung wieder zum Leben erweckt wurden. Möglich wurde das Projekt durch eine Förderung der Sparkassen-Kulturstiftung Krefeld.

Die Teilnehmerinnen des ersten Webkurses. Mit dabei Ina Matoni vom Haus der Seidenkultur (links), daneben die Direktorin des Textilmuseums, Dr. A. Schieck und Kursleiterin Barbara Thomas. HdS-Foto: Brenner

 

Der Kurs richtete sich ebenso an Fachleute aus Museen und Sammlungen mit über tausend Jahre alten Textilien wie auch an erfahrene Weberinnen und Weber. Aus Amsterdam, Brüssel, Prag, vom Bodensee und aus Köln kamen die Spezialistinnen nunmehr nach Krefeld, um sich über antike Seidenstoffe und deren Webarten zu informieren und zu lernen, wie man sie an modernen Handwebstühlen nachwebt.

Samit und Taqueté, so heißen die Techniken der mehrfarbigen Stoffe. Dabei wird nicht nur eine Partie von Kettfäden für den Stoff aufgespannt, sondern gleich zwei. Mit einem ausgeklügelten System aus Bindung und Muster entstanden Textilien mit eingewebten Mäandern, Medaillons und ganzen Bildergeschichten. „Es war unglaublich aufwändig, diese Stoffe herzustellen. Nicht nur die Materialien sind sehr fein, sondern auch die Webtechnik erfordert sehr viel Aufmerksamkeit. Die Webstühle waren damals speziell für solche gemusterten Stoffe ausgerüstet, aber man schaffte trotzdem nur wenige Zentimeter am Tag“ erzählt Kursleiterin Barbara Thomas.

Im Haus der Seidenkultur wurde für den Kurs extra ein Webstuhl umgebaut: Zwischen den vergleichsweise jungen Jacquard-Maschinen des 19. Jahrhunderts konnten die Teilnehmerinnen mit einer ganz speziellen Einrichtung eigene Entwürfe realisieren. Dafür wurden in einen einfachen Webstuhl sogenannte Nagelschäfte eingebaut: Sie ermöglichen es, dass man jeden einzelnen Faden für ein Muster ansteuern kann. Gerade entsteht ein Stoff, der in großen Lettern das Wort „Seidenkultur“ zeigt. Das ist zeitaufwändig und schnell wird klar, warum die Erfindung der Jacquard-Maschine Anfang des 19. Jahrhunderts eine solche Revolution auslöste. „Wie genau die Webstühle für die gemusterten Stoffe vor 1500 Jahren ausgesehen haben wissen wir leider nicht, da sich keine Webstühle oder Zeichnungen davon erhalten haben. Deshalb nähern wir uns der Technik mit modernem, aber einfachem Webgerät.“ erklärt die Textilarchäologin.

Feine Seidenfäden werden zu einem gemusterten Gewebe. HdS-Fotos (3): Thomas

Unglaublich, wie die Menschen das damals gemacht haben!

Dabei stehen beim praktischen Teil Dieter Blatt und Ina Matoni vom HdS mit Rat und Tat zur Seite. Und gewebt wurde viel: Im Haus der Seidenkultur konnten sich die Teilnehmerinnen an fünf modernen Hand-Webstühlen in verschiedenen Techniken versuchen. Mal sind es detailgetreue antike Muster in feinen Garnen, mal gab es die Möglichkeit, eigene Entwürfe in glänzender Seide zu verwirklichen. Dabei wurde viel über die antiken Techniken gefachsimpelt und so mancher Trick aus dem Arbeitsalltag in der modernen Handweberei ausgetauscht. „Es ist unglaublich, wie die Menschen das damals gemacht haben. Wenn man das selbst ausprobiert, dann bekommt man ein Verständnis dafür, welche Kostbarkeiten solche Stoffe sind.“ ergänzt eine Teilnehmerin.

Bei einem Besuch im Textilmuseum wächst der Respekt vor den Originalen weiter: „Jetzt, wo man die technische Seite der Textilien verstanden hat, sind sie noch großartiger!“ bestätigt die Weberin aus Köln. Direktorin Dr. Annette Paetz hat sich extra Zeit genommen, um mit den Teilnehmerinnen die Besonderheiten der Stoffe zu besprechen und die Tradition der Rekonstruktion zu zeigen.

Das Weben der gemusterten Stoffe erfordert große Konzentration.

 

Krefelder Gewebesammlung

Bereits in den frühesten Anfängen der Krefelder Gewebesammlung unter dem damaligen Direktor Paul Schulze wurden Nachwebungen der faszinierenden antiken Seiden angefertigt. „Die Krefelder Gewebesammlung wurde Ende des 19. Jahrhunderts zu dem Zweck angelegt, die Auszubildenden der Gewebeschule zu trainieren, sie Techniken analysieren zu lassen und sie zu inspirieren. Vielleicht gehören auch die Nachwebungen, die wir aus dieser Zeit haben, zu den Aufgaben, die die Schüler damals meistern mussten“ erklärt die Direktorin.

Am Ende des Kurses halten alle Teilnehmerinnen mit Stolz ihre selbst gewebten Musterstücke in der Hand. Ein wenig Erschöpfung ist nach der intensiven Woche zu spüren, aber es überwiegt ganz klar die Freude auf den Gesichtern. Die Musterstücke sind bei weitem nicht das Einzige, was die Teilnehmerinnen aus Krefeld mitnehmen: „Die kleinen Übungsstücke sind etwas ganz Besonderes für mich. Ein Muster entwerfen, sehen wie es mühsam wächst und sich der Entwurf vom Papier auf das Textil übertragen lässt“, bilanziert eine Teilnehmerin.

Und: „Es erfüllt mich mit großer Ehrfurcht, mit dem nun Erlebten an die Originale zu denken. Zu wissen, dass sie ohne Kästchenpapier, Mikroskop, Tageslichtlampen und Sehhilfen entstanden sind. Ich nehme so viel Wissen über die komplexen Webtechniken mit, tolle Kontakte und noch mehr Lust an dem, was ich täglich tue.“

Fazit der Kurs-Absolventinnen: „Wir haben so viel gesehen, erfahren, gelernt. Es war ein ganz außergewöhnlicher Kurs, der sicherlich noch lange nachwirken wird.“

Der Kurs hat nach Aussage der Teilnehmerinnen nicht nur mit Textilien, sondern auch mit der einzigartigen Kombination von Fachwissen und praktischer Arbeit geglänzt, die so nur in Krefeld möglich ist. Ob es eine Fortsetzung der Kurse gibt? Wenn es nach den Teilnehmerinnen geht: „Auf jeden Fall! Textile Geschichte(n) hat Krefeld noch viele zu bieten!“

Vor dem Weben steht das komplizierte Einrichten der Webstühle.

Im Alter von 96 Jahren verstarb bereits am 16. Oktober die Bauhaus-Schülerin, Textildesignerin, Grafikerin, Künstlerin und Hochschullehrerin Prof. Annette Pöllmann. Diese traurige Nachricht erreichte die Öffentlichkeit in diesen Tagen aus unserem Haus der Seidenkultur (HdS), wo die Bauhaus-Ikone den Beirat des Museums mit ihren vielfältigen künstlerischen Fähigkeiten bereicherte.

Für viele war Annette Pöllmann die Bauhaus-Schülerin, die bei Georg Muche und Elisabeth Kadow studiert hatte und als Professorin an der Krefelder Textil-Ingenieurschule (später Hochschule Niederrhein) ihren Klassen höchste Qualität abverlangte. Für andere war sie die Pionierin der Seidenmalerei, die unermüdlich Schöpferische, die bei Einladungen ihre Gäste bat, die Radieschen am Büfett, weil sie so appetitlich rot leuchteten, vor dem Verzehr zu zeichnen.

2017 eröffnete Annette Pöllmann (rechts) zusammen mit Kuratorin Ulrike Denter die Ausstellung „Als die Muster laufen lernten“.

„Alle werden sich an ihre Herzenswärme, ihr unbestechliches Urteil und ihren feinen Humor erinnern“, schreibt Petra Diederichs in einem Nachruf in der Rheinischen Post. Und: „Annette Pöllmann, die sich über die Grenzen Europas hinaus einen Namen gemacht hat, war immer kreativ – bis fast in ihre letzten Tage.“ Ständig habe sie nach vorn geschaut und Neues gesucht.

Was sie vor allem jungen Menschen als Rat mit auf den Weg gab: „Leute, gebt nie auf, auch wenn ihr Niederlagen einstecken müsst!“ Und sie wusste wovon sie sprach: So musste sie als Hochschul-Absolventin auf der Suche nach einer Anstellung 113 Absagen einstecken, weil sie als „wilder Picasso“ einmal mehr mit ihren Ideen ihren Zeitgenossen wieder ein Stück voraus war.

Seit ihrer Pensionierung nutzte sie im letzten Jahrzehnt zunehmend das Haus der Seidenkultur als Plattform für ihre Textilkunst. „Als die Muster laufen lernten“ war 2017 eine ihrer letzten großen Ausstellungen, die sie zusammen mit Dr. Ulrike Denter kuratierte. Aus dieser Zusammenarbeit erwuchs eine große Freundschaft zwischen den beiden Textilschaffenden.

„Mit Annette Pöllmann wird ein großes Kapitel Krefelder Textilkultur zu Grabe getragen“, sagt unser Museumschef Hansgeorg Hauser, der noch im Mai dieses Jahres zusammen mit Pöllmann die derzeitige Ausstellung „Schillernde Perlen am seidenen Faden“ eröffnete. Die Exponate dazu stammten von ihrer Schwester Margarete Schumacher.

Die „Queen-Mum“ der Seidenkultur, wie Pöllmann würdevoll in unseren Museumskreisen genannt wurde, verbrachte die letzten Wochen im Hülser Seniorenzentrum „Bonhoeffer-Haus“. Die Beisetzung findet Mitte kommender Woche im Kreis Ihrer Familie in Ihrem Geburtsort in Iserlohn statt.

„Doch ihr Lebensweg führte Pöllmann schon früh nach Krefeld“, blättert WZ-Kulturchef Christian Oscar Gazsi Laki in der Biographie der Künstlerin, die u.a. an der Akademie in Düsseldorf freie Graphik studierte, bis sie ihr Weg 1972 als Professorin an der Fachhochschule Niederrhein in Mönchengladbach führte, wo sie im Fachbereich Textil- und Bekleidungstechnik mit den Schwerpunkten in der Textilgestaltung unterrichtete.

„Das Lebenswerk der vielseitig begabten Künstlerin wird im Haus der Seidenkultur immer lebendig bleiben“, heißt es im Nachruf der Trauergemeinde des Museums.

Im Haus der Seidenkultur stand Annette Pöllmann mehrfach vor der Fernsehkamera. Hier im Gespräch mit WDR-Autor Helge Drafz.
HdS-Fotos: Brenner

... bescheinigt uns einhellig die Krefelder Presselandschaft. „Die Digitalisierung im Haus der Seidenkultur schreitet voran“, schreibt Marilena Claßen Anfang August in der WZ und berichtet darüber, dass unsere Museumsbesucher zu den normalen Öffnungszeiten mit einem Tablet elektronisch durch unser Haus geführt werden können. RP-Redakteurin Petra Diederichs hat uns gar eine halbe Seite in ihrer Zeitung gewidmet. Diesen Beitrag möchten wir an dieser Stelle den Lesern unserer Web-Seite mit einem Dankeschön an die RP an dieser Stelle ungekürzt zur Verfügung stellen.

VON PETRA DIEDERICHS

Wolsig52 war vorher noch nie in der Krefelder Innenstadt. „Aber wir haben bei unserem Spaziergang festgestellt, dass es hier auch richtig nette Ecken gibt“, heißt es im Post, der beim Haus der Seidenkultur (HdS) angekommen ist. Eine von ungezählt vielen positiven Rückmeldungen, die das Team in der „ältesten Paramentenweberei Europas“, wie HdS-Sprecher Dieter Brenner gerne betont, erreichte. Seit zwei Jahren bietet das Seidenmuseum seine Stadtführung „Spaziergang auf seidenen Pfaden“ auch als Geocaching an. Diese digitale Entdeckungstour ist derart gut eingeschlagen, dass die beiden Teile ab Herbst um einen dritten aufgestockt werden. Volker Vander, selbst leidenschaftlicher Geocacher, entwickelt derzeit mit Kuratorin Ulrike Denter auch diese dritte Runde, die durch Hüls führen wird.

365 Starter haben sich in den vergangenen zwei Jahren auf die Krefelder Geocache-Tour gemacht, 350 sind beide Routen bis zum Ende gegangen. „Da die meisten Geocaching in der Gruppe betreiben, sind wohl mehr als 1000 Leute in Krefeld gelaufen“, sagt Vander, der im Hauptberuf eine Gärtnerei betreibt.

Eigentlich war die Idee eine Corona-Notgeburt. „In dieser Zeit haben wir uns gesagt, wenn die Leute nicht zu uns kommen können, müssen wir sie anders erreichen“, sagt Brenner. So wurde die beliebte Führung zur textilen Stadtgeschichte in eine digitale Schnitzeljagd umgemünzt und hat unerwartet gut eingeschlagen. Das Neun-Euro-Ticket hat noch einmal einen Boom gebracht: „Wir erreichen auch Leute von ganz woanders, die bisher nie in Krefeld waren“, so Brenner. „Einige gehen hier dann auch shoppen.“

Geocaching ist von den USA aus am 30. Mai 2000 ins Internet gegangen.„ Weltweit beteiligen sich sieben Millionen Leute an dem Spiel“, sagt Vander. Die Idee ist weitaus älter: „Im 18. Jahrhundert gab es bereits an den Gipfelkreuzen Kästchen, in denen man seine Namen hinterlassen konnte, um zu zeigen, dass man da war“, erzählt Vander. Geocaching funktioniert im Prinzip nicht anders, ist aber mit Aufgaben und Belohnungen verbunden.

Auf einer geheimen Route, deren Verlauf man sich mit gelösten Rätseln erarbeiten muss, kommt man zu einem Schatz, dem Cache. Der steckt in einer Dose - mitsamt dem sogenannten Logbuch, in das die Erfolgreichen sich eintragen. „Als Bonus gibt es im Haus der Seidenkultur noch einen Kokon, mit dem man Seide haspeln kann“, so Brenner.

An jedem Standort der Seiden-Rallye erwartet die Cacher ein Video. „Es war ein großes Glück, dass ich den Film des Hauses der Seidenkultur dafür verwerten konnte“, sagt Vander. Worum es bei den Fragen geht und welche Stationen abzulaufen sind, will er natürlich nicht verraten. Eisernes Geocacher-Gesetz. Nur so viel: Es geht auch einmal um einen rot geschriebenen Satz.

Wer das Haus der Seidenkultur persönlich besucht, kann künftig auf einen digitalen Begleiter hoffen - ein Avatar erklärt Geschichte und Handwerk und alles rund um die Seide von der Raupe bis zum feinen Stoff. Zehn Tablets stehen für Einzelbesucher bereit, die keine Führung erleben und sich nun je nach Interesse durch alle Informationen klicken können - in Bild, Ton und Text. „Auch für Gehörlose sind die Tablets geeignet“, sagt Brenner.

Die Auswahl trifft jeder individuell,insgesamt gibt es zwei Stunden Info-Programm.

Die digitale Aufrüstung verdankt das Haus der EU-Förderung für die digitale Darstellung alten Handwerks.

Hoher Besuch im Haus der Seidenkultur: Mit Ulrike Lubek besuchte uns die Präsidentin des Landschaftsverbands Rheinland (LVR) zusammen mit ihrer persönlichen Referentin Carmen Heyner. Eigentlich war nur eine kurze Stippvisite geplant, doch die LVR-Chefin zeigte sich von unserem Museum sehr angetan. Besonders der nostalgische Websaal hatte ihr Interesse geweckt, wo Webmeister Manfred Weisters den alten Webstühlen ein gekonntes „Schipp-Schapp“ entlockte.

Für Lubek ist unsere Einrichtung dann auch ein „Juwel in Krefeld“, wie Sie mit einem „großen Dankeschön für die exklusive Führung“ in unser Gästebuch eintrug. Darüber freute sich natürlich auch unser Museumschef Hansgeorg Hauser, der vor wenigen Wochen vom LVR den begehrten „Rheinlandtaler“ verliehen bekam.

Der LVR erfüllt rheinlandweit als Kommunalverband mit rund 20.000 Beschäftigten, Aufgaben in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und der Kultur. Er ist der größte Leistungsträger für Menschen mit Behinderungen in Deutschland und betreibt 41 Schulen, zehn Kliniken, 20 Museen und Kultureinrichtungen, vier Jugendhilfeeinrichtungen, das Landesjugendamt sowie den Verbund Heilpädagogischer Hilfen. Mehr Infos über den LVR gibt es hier https://www.lvr.de

Unser Museumschef Hansgeorg Hauser wurde in einer eindrucksvoll-festlichen Veranstaltung „als Mäzen der Krefelder Kultur“ mit dem Rheinlandtaler ausgezeichnet. „Hansgeorg Hauser ist ein Macher mit Moderator-Qualitäten“, titelt die Westdeutsche Zeitung (WZ) und schreibt: „Hauser ist ein Teamplayer, der Netzwerke schmieden kann; früher im Beruf und bis heute für die Kunst. Zudem mag der Leiter vom Haus der Seidenkultur Privatinitiativen, die Wertvolles erhalten. Deshalb wünschte er sich für seine Ehrung, das Uerdinger Klärwerk als Austragungsort.“

Und dorthin kam mit LVR-Direktorin Ulrike Lubek und der stellvertretenden Vorsitzenden Karin Schmitt-Promny (Foto) die Spitze des Landschaftsverbandes Rheinland höchst Selbst. Rund 130 Gäste feierten mit Hauser das festliche Ereignis, das Stephan Langenberg mit seinem Bandoneon musikalisch umrahmte. „Einem Krefelder Instrument, das weltweit – nicht zuletzt durch den Tango in Argentinien – bekannt wurde,“ wie der Krefelder Oberbürgermeister Frank Meyer in seinen Grußworten feststellte.

Für den lukullischen Part sorgten die Absolventen und Absolventinnen des Fachbereichs Ernährung des Berufskolleg Vera Beckers. In dieser rundum gelungenen Veranstaltung meinte Hauser (83) auch dann: „Ich freue mich sehr über die Auszeichnung, die ich stellvertretend für alle entgegennehme!“ Wer in diese hochkarätige Veranstaltung im wahrsten Sinne des Wortes reinhören möchte, in unserem Podcast – hier unter der Rubrik Aktuelles/Podcast – ist das möglich.

Mehr Fotos über dieses festliche Event gibt es unter folgender Internetadresse https://eventfotos.lvr.de/rheinlandtaler_Hauser

 

Aus der Chefetage des Landschaftsverbands Rheinland (LVR) – er vergibt die Auszeichnung – kam Karin Schmitt-Promny ins Krefelder Klärwerk, wo Hansgeorg Hauser den Rheinlandtaler verliehen bekam.  HdS-Foto: Christian van Doorn

Wie angekündigt ist sie jetzt da: Die überarbeitete Aufzeichnung der Live-Übertragung unserer Vernissage „Schillernde Perlen am seidenen Faden“. Zu den schönen Bildern liefern wir jetzt auch einen guten Ton. Ein Klick auf den Button und schon sind Sie im lebendigen Ausstellungs-Geschehen mit dabei. Viel Spaß und gute Unterhaltung wünscht das Team vom Haus der Seidenkultur.

Bereits 2020 bekamen wir vom Haus der Seidenkultur den Heimatpreis der Stadt Krefeld zugesprochen. Jetzt fand die festliche Preisverleihung im historischen Ratssaal des einstigen Stadtschlosses statt. Oberbürgermister Frank Meyer sprach von „der Stunde null der städtischen Ehrungen“, die corona-bedingt lange Zeit nicht stattfinden konnten. So wurden dann insgesamt sechs Initiativen mit dem begehrten Preis – der vom Land NRW ins Leben gerufen wurde - ausgezeichnet. Darunter auch die Preisträger des Jahres 2021. In seiner Laudatio sprach der OB mit Blick auf unser Museum davon, dass es kaum einen anderen Ort gebe, an dem sich die „Vergangenheit und Zukunft der Textilstadt so mit allen Sinnen nachempfinden lässt, wie in dem kleinen aber ausgesprochen feinen Museum an der Luisenstraße.“

Unser Museumschef Hansgeorg Hauser (rechts neben dem OB) stellte in einer launigen Rede die Einrichtung vor, die aus der früheren Paramentenweberei Hubert Gotzes hervorging. Hauser griff aus der Rede des OB den Passus „unser Haus der Seidenkultur“ auf. Im Gebrauch des Pronomens „unser“ zeige sich am deutlichsten der Bezug zur Heimat.

Ausführlich berichtete die Tagespresse über die Verleihung des Heimatpreises. Hier ein Link zum Beitrag der WZ "Sechs Auszeichnungen für heimatliches Engagement"

Ausschnitte aus dieser Veranstaltung werden in der ersten Aprilwoche in unserem neu eingerichteten Podcast unter folgender Internetadresse zu hören sein https://seidenkultur.de/aktuelles/podcast

„Ein Avatar führt bald durch das „Seidenmuseum“ titelt die WZ in ihrer Ausgabe vom 16. März 2022 auf der Seite „Kultur in Krefeld“. Kulturchef Christian Oscar Gazsi Laki stellt fest: „Das Haus der Seidenkultur macht sich fit für die digitale Zukunft“. Das positive Echo des Beitrages, der sich mit dem „Mingei“-EU-Projekt beschäftigt, kommt auch aus dem Ausland, wo die am Projekt beteiligten Personen aufmerksam nach Krefeld blicken, wo in Kürze das Finale der erwähnten Maßnahme ansteht. Der halbseitige Artikel bringt den Leser auf den Stand der Dinge; ein Grund mehr den Beitrag hier in ungekürzter Form zu veröffentlichen:

Von Christian Oscar Gazsi Laki

Es ist vielleicht etwas überraschend – oder dann doch auch nicht –, dass just ein recht kleines privat geführtes Museum in Krefeld zu den digital umtriebigsten der Stadt gehört. Und damit ist nicht lediglich die ohnehin ansprechende Webseite des Hauses der Seidenkultur Krefeld in der einstigen Paramentenweberei Hubert Gotzes, gemeint. Eine professionellwirkende und informative Internetpräsenz ist für ein Museum, egal welcher Couleur, heute eigentlich ein Minimum. Wobei es bei anderen Museen da noch bisweilen an der einen oder anderen Stelle Nachbesserungspotenzial geben mag, aber das ist eine andere lange Geschichte auf einem sehr weiten Feld. Auch, dass man trotz der sympathischen „handgemachten“ Atmosphäre im Hause selbst und auch auf den Videos beispielsweise regelmäßig Ausstellungseröffnungen streamt (auch im Nachgang auf Youtube abrufbar) ist noch recht „normal“.

Spektakulär wird es, wenn man Begriffe wie Avatar, Digitalisierung und Co. von Dieter Brenner hört. Der quirlige gute Geist im Haus bezeichnet sich übrigens gerne scherzhaft als „Schwadroneur“ in Anlehnung an den Handwerksberuf des „Patroneurs“, die Mustervorlagen für Gewebe fertigten. Und das Charisma dieses älteren Herrn, der mit Leidenschaft durch die Geheimnisse des Seidenmuseums führt und Menschen für die traditionelle Handwerkskunst der Seidenweberei begeistert, wird zukünftig auch digital erlebbar sein. Dies ist möglich durch ein EU-Projekt mit dem Namen „Mingei“, bei dem das Haus der Seidenkultur mitmachen darf und das als Ziel hat, „sowohl die materiellen wie auch immateriellen Aspekte von alten Handwerken zu digitalisieren und das entsprechende Wissen zu übertragen. Dies bezieht sich auf die Darstellung, Erhaltung und Zugänglichkeit des Handwerks als Kulturerbe“ – so auf der Projekt-Webseite nachzulesen.

„Unser Museum soll man auch zukünftig mit Freude entdecken können“, bekräftigt Brenner, den es als „Avatar“ versehen mit seiner Stimme geben wird. Für Einzelbesucher soll es bald (um April herum) 20 Tablets geben, mit deren Hilfe „der Avatar“ mit Brenners Stimme durch das Museum führt. An einzelnen Info-Points gibt es weiteres Wissenswertes in Wort und Bild. „Wir wollen attraktiv sein für den Einzelbesucher“ – sagt Brenner. Der übliche Weg, das Haus zu besuchen, sei bislang in Form von gebuchten Gruppen, die durch die Räume des Museums geführt werden. Einzelne Museumsgäste sollen „nicht im Regen stehen gelassen werden.“

Ein Avatar mit Dieter Brenners Stimme führt Einzelbesucher bald durch das Haus der Seidenkultur. Foto: Mingei-Projekt

Ein wichtiger Schritt ist das Mingei-Projekt im Rahmen von „Horizon 2020“, das über den Avatar-Museumsguide weit hinaus geht. Es werden Paramente, Priestergewänder, die ihrerzeit in der Weberei in der Luisenstraße 15 gefertigt wurden, digitalisiert, die „Seidengeschichte“ aber auch das „Handwerk“ digital dokumentiert. Etwa durch ein „Motion-capture Verfahren“ – also eine digitalisierte Bewegungsaufzeichnung, wie man sie sonst auch in Hollywood-Filmen verwendet, um computergenerierte Figuren mit „Leben“ zu füllen – wurde das Handwerk von Patroneur Dieter Blatt für die Ewigkeit festgehalten. Das gesamte Projekt ist mit 102 000 Euro veranschlagt, 85 000 Euro seien schon bewilligt, berichtet Brenner. Es gäbe noch eine Reihe von Dingen, die auf der Wunschliste des Museums stünden, gibt es zu – und dass es bei ehrenamtlich betriebenen Museen, wie das Haus der Seidenkultur es überwiegend ja sei, durchaus nicht trivial sei, sich in Förderstrukturen der EU einzufügen.

Museum hat auch viele „analoge“ Pläne für kommende Zeit

Aber das Haus der Seidenkultur hat auch zahlreiche „analoge“ Pläne. So sei man guter Dinge, dass es zu Pfingsten wieder eine Beteiligung am Flachsmarkt geben werde. Mit einem Plan A und einem Plan B, denn falls die Präsentation beim Markt aus Coronagründen etwa nicht gelingen könne, so wolle man zumindest eine kleine Version im eigenen Haus ermöglichen. Aber auch spricht Dieter Brenner gerne über die Pläne des Hauses für das Stadtjubiläum 2023. Denn immerhin braucht das Vorlaufzeit – die Stadt übrigens hält sich da aktuell noch etwas bedeckt, verspricht aber bald die Öffentlichkeit zu informieren. „Für das Stadtjubiläum haben wir einen sehr interessanten Kooperationspartner gefunden“, schwärmt Brenner. Das Alte Klärwerk und die wirklich fleißigen Denkmal-Schützer vom Verein zum Erhalt des historischen Klärwerks in Krefeld Uerdingen. Mit dem Verein plant man mehrere Projekte. Eine große Ausstellung etwa mit der Künstlerin Sonja Weber, die großformatige Arbeiten mit textilem Bezug zeigen wird. Kleinere Exponate sollen parallel im Seidenmuseum gezeigt werden. Auch ist eine Modenschau in Planung, die am Klärwerk stattfinden soll – doch das sei noch in Vorbereitung.

Das Haus der Seidenkultur (HdS) wurde zum Jahresbeginn als jüngstes Mitglied in der Organisation „Europäische Route der Industriekultur“ (ERIH) aufgenommen. Dies bescheinigt eine schmuckvolle Urkunde, die jetzt im Museum an der Luisenstraße 15 öffentlich aushängt.

Bei der ERIH handelt es sich um ein führendes Tourismus-Netzwerk mit 1850 Standorten in 47 Ländern. Zielsetzung der Organisation ist es, Standorte der Industriekultur und Besucherattraktionen zu vernetzen. „Die Arbeit soll eine tiefergehende Entdeckung der Industrielandschaften der jeweiligen Landschaften ermöglichen“, sagt HdS-Museumschef Hansgeorg Hauser. Und: „Durch unsere Mitgliedschaft können wir die linksrheinische Rheinschiene in das Gesamtkonzept ergänzend einbeziehen.“

Wer also künftig auf eine der vom ERIH angebotenen Themenrouten die gemeinsamen Wurzeln europäischer Industriegeschichte entdecken und veranschaulichen möchte; die Luisenstraße in der Samt- und Seidenstadt bietet sich da als neuer Anknüpfungspunkt an.

Die Bahnhofsnähe, ein Gas- und Elektrizitätswerk in unmittelbarer Nachbarschaft sorgten in der Gründerzeit für ideale Rahmenbedingungen der Entwicklung einer Industrielandschaft im einst noblen Krefelder Kronprinzenviertel. Vor diesem Hintergrund konnte sich auch die Paramentenweberei Hubert Gotzes – das heutige HdS – etablieren.

Daher empfindet ERIH-Präsident Dr. Maria Grewing die Mitgliedschaft vom Haus der Seidenkultur als „eine Bereicherung für das Angebot des Touristik-Netzwerkes“. Und: „Jedes Industriedenkmal, jede Stadt, jede Arbeitersiedlung ist Teil dieser zunächst europäischen und später weltweiten Entwicklung.“ Nur erfahre der Besucher meist nichts oder nur zu wenig davon. Im HdS wird man künftig bei Führungen diesen Zusammenhang noch deutlicher hervorheben.

 

Diese Urkunde signalisiert: Das Haus der Seidenkultur liegt jetzt auf der Route Europäischer Industriekultur.

(veröffentlicht am 11.06.21)

In der ZDF-Trödelshow „Bares für Rares“ mit Horst Lichter ging im Mai ein Priestergewand über die (Händler-)Theke, dass nach einer langen Zeitreise jetzt nach rund 100 Jahren wieder an seinen Ursprungsort, der einstigen Paramentenweberei Hubert Gotzes, zurückkam. Dort, dem heutigen Haus der Seidenkultur, bekommt das gute Stück jetzt seinen Ehrenplatz.

Doch der Reihe nach: Vermutlich um 1920 wurde der „Chormantel“ – ein liturgisches Gewand, das von katholischen Priestern während der Messe getragen wurde – in der Paramentenweberei Hubert Gotzes angefertigt. Zumindest wurde es in den 50ziger Jahren im Unternehmen an der Luisenstraße 15 in Krefeld restauriert. Von dort landete das schmucke Gewand in Recklinghausen bei einem Ehepaar, das bei „Bares für Rares“ einen neuen Besitzer suchte.

In der Fernsehsendung erwarb es schließlich der Kunst- und Antiquitäten-Händler Thorsden Schlößner aus Kreuzau bei Düren. 400 Euro zahlte er für das Exponat, das die Expertin zuvor auf 150 bis 200 Euro geschätzt hatte. Doch genaugenommen war allen klar, dass das mit Goldfäden durchzogene Samt-Exponat weitaus mehr Wert ist. „Würde man heute ein solches Teil in Auftrag geben, müsste man um die 10.000 Euro auf den Tisch legen“, schätzt HdS-Sprecher Dieter Brenner.

Letzterer war es auch, der auf dem Facebook-Portal des Museums auf die Sendung hinwies und vermerkte: „Schön wäre es, wenn der Mantel wieder an seinen Ursprungsort zurückkäme; aber ob sich dafür Sponsoren finden?“ Und unmittelbar nach dieser Publikation, die auf Anhieb 3000 Klicks verzeichnete, fanden sich die ersten Geldgeber. Darunter der Krefelder Geschäftsmann Peter Oediger. „Mein Vater, der mit Krawatten handelte, hat mich durch seinen Beruf schon an das Thema der Textilstadt herangeführt“, sagt Oediger. Und: „Vor diesem Hintergrund war es für mich so eine Art Verpflichtung hier helfend einzusteigen.“

Letztlich war es aber Kunsthändler Schlößner selbst, „der seine Händlerinteressen weitgehend zurückgestellt und aus Sicht unseres Museums sehr gut gehandelt hat“, wie es Brenner während einer Pressekonferenz formulierte. Schlößner selbst sagt dazu: „Wenn ich sehe, dass ein besonderes Exponat eine besondere Öffentlichkeit - wie die eines Museums – bekommen kann, unterstütze ich solche Projekte sehr gerne.“

Nicht nur der Chormantel, sondern auch Thorsden Schlößner selbst fand jetzt seinen Weg nach Krefeld, wo der gelernte Schreiner früher sein Holz einkaufte. Beeindruckt zeigte sich der Händler von der grünen Krefelder Innenstadt und vom Zustand des alten Stadtbades, das der Fernsehmann – der ein Faible für den Jugendstil besitzt – unbedingt besuchen wollte. Auf dem „kurzen Dienstweg“ zwischen HdS und Stadtbad wurde dem Wunsche recht kurzfristig entsprochen.

Jetzt bekommt das durch „Bares für Rares“ bekanntgewordene Priestergewand im Museum an der Luisenstraße seinen Ehrenplatz. Und damit nicht genug: „Die Sponsorengelder ermöglichen uns, nach weiteren Priestergewändern Ausschau zu halten“, sagt Brenner. Eine Kirchenzeitung werde im Raum des Bistums Aachen bei dieser Suche behilflich sein. Daher der Sprecher abschließend: „Für uns brachte Bares für Rares wirklich sehr viel Wunderbares…!“

 

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Nach einer langen Zeitreise kommt ein Priestergewand zurück an seinen Ursprungsort. Händler Thorsden Schlößner (links) hat es möglich gemacht, der hier vor laufender Kamera von HdS-Sprecher Dieter Brenner interviewt wird. Rechts im Bild mit Peter Oediger einer der Sponsoren, die dieses Projekt unterstützten.

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Stippvisite im ehemaligen Freibad inmitten der Krefelder City. Thorsden Schlößner (links), der ein Faible für die Jugenstil-Ära hat, war begeistert.
HdS-Fotos: Christian van Doorn

 
(veröffentlicht am 28.08.20)

Die erste Live-Übertragung aus unserem Museum war ein voller Erfolg. „Das müssen Sie unbedingt künftig wiederholen“, meinte Oberbürgermeister Frank Meyer (Krefeld) an unseren Vorsitzenden, Hansgeorg Hauser, gerichtet.
„Ich möchte Ihnen allen für die gelungene Premiere der Live-Übertragung der Ausstellung ‚Purpurschnecke und Färberwaid‘ aus Ihrem Museum gratulieren. Vielleicht war dies der Beginn einer neuen Ära, an dem das Haus der Seidenkultur (HdS) einen viel größeren Kreis von Interessenten erreichen kann“, schreibt Dr. Hermann Schumacher, Vorsitzender der Gesellschaft Creinvelt.
Hier das Feedback von Achim Wahl: „Von der heimischen Couch habe ich eine tolle und gut durchdachte Vernissage gesehen. Das öffnet sicher für die Zukunft neue Perspektiven in der Darstellung unseres Museums und unserer Arbeit.“
Und Klaus Drenk hat festgestellt: „Da hat das Team vom HdS wieder einmal mehr neue Maßstäbe und sich im Überholvorgang an die Spitze einer neuen Entwicklung gesetzt.“
Wer die Sendung noch einmal sehen möchte https://www.youtube.com/watch?v=67JzJDgy1sc



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Andreas Bischof hat im Bild festgehalten wie es während der Übertragung in der Regie aussah. Per Knopfdruck wurde hier entschieden welches Bild aus dem HdS On Air ging.

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Unsere Kuratorin Ulrike Denter (rechts) mit Birgit Sievers-Schmitz. Die Patentochter des verstorbenen Textilingenieurs Gerhard Schlichtmann hat der Ausstellung – die er schon zu Lebzeiten angedacht hat – zahlreiche Exponate zur Verfügung gestellt. Mit im Bild der Ehemann von Frau Sievers-Schmitz.

HdS-Foto: Christian van Doorn

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Pressesprecher Dieter Brenner moderierte die erste Live-Übertragung aus dem Haus der Seidenkultur.

HdS-Foto: Christian van Doorn.

Das ist eine große Premiere im Haus der Seidenkultur (HdS): Die Vernissage der nächsten Ausstellung „Purpurschnecke und Färberwaid“ wird am Sonntag 23. August ab 11 Uhr live im Internet bei YouTube übertragen.
Die Ausstellungseröffnung wird nicht einfach abgefilmt, sondern vom „Covestro-Foto-Filmclub“ und den Video-Experten der Firma vps gekonnt in Szene gesetzt. Somit können alle Freunde vom HdS das Geschehen im Museum live mit verfolgen.
Wenn Corona bedingt nur wenige Leute ins Museum kommen können, kommen wir halt zu den Besuchern“, freut sich HdS-Sprecher Dieter Brenner über die Premiere einer Live-Übertragung, die von der Sparkasse Krefeld gesponsert wird.
Musikalische Höhepunkte letztjähriger HdS-Veranstaltungen werden im Rahmenprogramm der Vernissage zu sehen und zu hören sein. Ein Genuss, den sich auch Oberbürgermeister Frank Meyer nicht entgehen lässt, der live im HdS mit dabei sein wird.
Wer ebenfalls das Direktgeschehen verfolgen möchte, der findet seine „Eintrittskarte“ im Internet unter folgenden Links

https://youtu.be/DKWEy-n_x8g

oder

https://www.youtube.com/channel/UC2hqWhf78m34FcSxWqrngIw/live

Mehr über die Inhalte unserer neuen Ausstellung – die sich mit der Entwicklung der Textilfärberei beschäftigt - hier auf dieser Plattform unter Angebote / Ausstellung.

 

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Martha Prell war eine der ersten Modezeichnerinnen in Krefeld. Studiert hat die kreative Frau von 1940 bis 1943 an der Höheren Fachschule für Modegrafik und Mode, dem Vorläufer der späteren Textilingenieurschule. Unterrichtet wurde sie von Elisabeth Kadow, die sich als Bauhausabsolventin in Krefeld einen Namen gemacht hat.
Heute, mit stolzen 95 Jahren, stellt Martha Prell erstmals ihre Modezeichnungen öffentlich aus. Diese einzigartige Premiere findet derzeit im Haus der Seidenkultur (HdS) statt. „Wir haben der Künstlerin eine kleine Studioausstellung im historischen Lieferantenflur unseres Museums gewidmet“, sagt Kuratorin Dr. Ulrike Denter. Ihr ist es gelungen, die bislang eher bescheiden und zurückhaltend lebende Textil-Künstlerin in den Focus der Öffentlichkeit zu rücken. Jetzt kam die weitgereiste Seniorin höchst selbst ins HdS um sich ihre Ausstellung anzusehen.
„Schon als Kind habe ich mit meinen Zeichnungen mein Umfeld begeistern können“, sagt Prell unserer Zeitung. Mit einem Beinbruch lag sie als 10jährige im Krankenhaus. „Alle Schwestern wollten in meinem Zimmer meine Zeichnungen sehen, die ich im Bett liegend angefertigt hatte“, erinnert sie sich.
Um als junges Mädchen 1940 die Laufbahn einer Musterzeichnerin einzuschlagen, da bedurfte es einiges an Überredungskunst im Elternhaus. Unterstützung kam vom Vater, der in seiner Freizeit gerne Pferde zeichnete. Elisabeth Kadow erkannte recht schnell das Talent der jungen Schülerin, die mit einer renommierten Förderin im Rücken an der „Lette-Schule“ in Berlin mit „Kusshand“ aufgenommen wurde; eine Einrichtung, die vielen jungen Künstlern als Sprungbrett in die Modeszene diente.
Und so fand sich Martha Prell einige Jahre später im Modesalon „Schloss Grafenberg“ bei Düsseldorf wieder. Hier entwarf sie Kreationen für die damalige High Society. „Für Schauspieler-Ikonen wie Elisabeth Flickenschildt und Christiane Hörbiger durfte ich Modevorlagen entwerfen“, blickt Martha Prell in eine illustre Vergangenheit zurück, die jetzt im Haus der Seidenkultur wieder ein Stück lebendig wird.
„Die kleine Zusatzausstellung betrachten wir als i-Tüpfelchen in der Angebotspalette unseres Museums, wo wir in Coronazeiten ein zusätzliches Argument für den Besuch unseres Museums an der Luisenstraße 15 liefern möchten“, sagt Kuratorin Ulrike Denter. Im HdS wird die Ausstellung bis Ende des Jahres an den Öffnungstagen von mittwochs bis freitags jeweils in der Zeit von 15 bis 18 Uhr und sonntags von 13 bis 17 Uhr zu sehen sein.

 

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Martha Prell zeigt mit 95 Jahren voller Stolz einen ihrer Entwürfe als Modezeichnerin.

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Hier der Entwurf eines für die 40ziger Jahre eher mutigen Cocktailkleides. Viele ihrer Werke hat sie – wie hier – mit ihrem Mädchennamen Martha Leyking signiert.

 

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Taillenbetonte Oberteile, bunte Glockenröcke mit floralen Mustern, so stellte sich Martha Prell 1946 die modebewusste Frau vor.

HdS-Fotos: Christian van Doorn